Sozialverhalten im Social Web 2012

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Ich möchte hier mal Erik Qualmans neueste Erkenntnisse zusammenfassen und kommentieren, die er aus aktuellen US-amerikanischen Untersuchungen gewonnen hat.

  1. Mit 47% hat Facebook der größten Einfluss auf das Kaufverhalten.
    Das ist ein Anstieg um 23% seit 2011. Twitter kommt in dieser Kategorie heute gerade mal auf 5%.
  2. US-Twitter-User sind mit 33% höherer Wahrscheinlichkeit Demokraten.
    Ich bin unsicher, was wir mit dieser Erkenntnis in Deutschland anfangen sollen. Daher vergessen wir sie gleich wieder.
  3. 33% aller Menschen auf den Social-Media-Plattformen folgen einer Marke.
    Das ist ein Anstieg um 106% seit 2010. Das bedeutet umgekehrt, dass zwei Drittel der Amerikaner erst noch bekehrt werden können (oder müssen – je nachdem, wie man es betrachten mag). Es zeigt, dass es noch ein großes Potenzial gibt. Und es zeigt, dass viele Marken noch nicht verstanden haben, dass sie fragen müssen, was die Menschen von ihnen auf den Plattformen erwarten, nicht, was sie meinen, was von ihnen erwartet wird.
  4. Das am schnellsten wachsende Segment sind in den USA die 45-54-Jährigen.
    55% von ihnen haben inzwischen ein Profil auf einer Social-Networking-Plattform. Bisher kannte ich seit Jahren nur die Info, dass die am schnellsten wachsende Gruppe bei Facebook 56-65-jährige Frauen seien. In der Gesamtheit stellt sich das offenbar – zumindest in den USA – ein wenig anders dar. Es belegt aber in jedem Fall (erneut), dass es ein Trugschluss ist, zu glauben, nur „die Jugend“ sei social-media-mäßig unterwegs.
  5. Die Menschen checken sich nicht ein.
    74% der Amerikaner haben keine Ahnung, was das Einchecken an einem Ort per mobilem Gerät bedeutet. Nur 3% haben jemals eingecheckt. Das ist sogar ein Prozentpunkt weniger als in der Befragung im Vorjahr. Es fehlt an Motivation. An sich nicht tragisch, aber es sind schlechte Nachrichten für Foursquare. Dennoch kenne ich hier in Deutschland einige, die es – wie ich auch – nutzen. Aber eben vorwiegend „just for fun“. Wer weiß, was Facebook erreicht hätte, wenn sie ihr Orte-Konzept zusammen mit den „Deals“ einmal richtig forciert hätten. Gowalla haben sie ja gekauft; aber seitdem ist der Dienst nur tot, nicht integriert. Schade.
  6. Facebook-Nutzer nutzen Facebook zu 54% über ein mobiles Gerät.
    54% nutzen Facebook über ein Telefon, 33% sogar hauptsächlich über das Telefon. Das dürfte sich bis zum nächsten Jahr wohl schwer auf Tablets verlagern, würde ich mal vermuten. Ingesamt belegt das aber den anhaltenden Trend hin zu mobile.
  7. Facebook hat den größten Suchtfaktor.
    23% der Facebook-Nutzer checken ihren Account mindestens fünfmal täglich. Der Durchschnitt liegt bei viermal.
  8. Twitter schnappt sich mehr Neumitglieder.
    53% der Twitter-Nutzer sind erst seit weniger als einem Jahr Mitglied, während es bei Facebook 19% sind.
  9. Die Mehrheit der Twitter-Nutzer ist aktiv und schreibt auch.
    Während 2010 nur 47% der Twitter-Nutzer auch tatsächlich getwittert haben und somit die Mehrheit nur Zuhörer war, ist heute die überwältigende Mehrheit der Twitter-Anfänger mit 76% nun wesentlich aktiver und schreibt auch Statusmeldungen.
  10. 22% nutzen Social-Networking-Plattformen mehrmals täglich.
    Es ist inzwischen ein echtes „Sozialverhalten“ geworden und gehört zum täglichen Leben ebenso dazu wie Essen und Zähneputzen. Das wird auch nicht mehr weggehen. Es wird sich höchstens verlagern und evtl. durch neuere technische Lösungen vereinfachen. Social Media ist fast schon kein Kommunikationsmittel mehr, sondern schon eher eine neue Kommunikationsform.

So, macht was daraus. Die komplette Untersuchung gibt es übrigens bei The Social Habit.

Quelle: Erik Qualman, 10 New 2012 Social Media Stats = WOW!

Autor: Ralf Heinrich

...ist verheiratet, Vater von zwei Söhnen und lebt seit der Jahrtausendwende im badischen Bühl. Der studierte Informationswissenschaftler und Werbe- und Marketingfachmann tauchte bereits 2005 in die Welt der Sozialen Medien ein, als XING noch openBC hieß und Facebook noch nicht wichtig zu sein schien. Er "lebt und atmet" Social Media durch XING, Facebook, Twitter & Co. und bloggt selbstverständlich auch. Bis 2014 beriet er zehn Jahre lang Firmen und Menschen im Umgang mit Social Media, gab ihnen Starthilfe, und entwickelte mit seiner Agentur, dem Kreativbüro, Werbe-Ideen und -Konzepte für seine Kunden. Nachdem er dann für rund viereinhalb Jahre das globale Marketing für den Treasury-Spezialisten BELLIN in Ettenheim geleitet hat, führt er aktuell das Marketing-Team des Sicherheits-Systemhauses Securiton an.

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