Mein Fazit zur OB-Wahl 2019 in Bühl

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Offener Brief an ABB und BT

Eine Woche ist sie nun her, die OB-Wahl in Bühl mit einer sensationell traurigen Wahlbeteiligung von 20,7 Prozent, und der Staub hat sich etwas gelegt. Und wer hätte gedacht, dass ein kleiner Facebook-Post so viel Staub aufwirbeln würde. Und wie viele Menschen ihr wahres Gesicht oder auch schlichte Ignoranz zur Schau stellen würden.

Da war zunächst der amtierende OB, der zwei Tage vor der Wahl sehr plötzlich sehr nervös wurde und der sich im Nachgang darüber beschwerte, die Aktion sei „ein schlechtes Verständnis von Demokratie“, die doch von Offenheit und Transparenz lebe, und das sei hier umgangen worden. Nun frage ich mich nur, wie man noch offener und transparenter Demokratie ausüben kann als mit einem öffentlichen Post, den jeder sehen und sogar kommentieren kann?

Dann war da noch die Gemeinderätin, die den Facebook-Post als „(hoch!)politisches Heckenschützentum“ verurteilte und die dann noch fälschlicherweise behauptet hat, dass ein leerer Stimmzettel Protest ausdrücken und so niemand gewählt würde – obwohl so in Wahrheit damit der einzige auf dem Wahlzettel aufgeführte Kandidat gewählt wird (siehe hier). Das ist schon etwas peinlich traurig. Und das allein zeigt, wie wichtig die Information war, die ich im Namen der Gruppen-Admins gepostet habe. Und das war lediglich der Hinweis, dass es die Option gibt, auch jemanden zum Kandidaten zu machen (und zu wählen), der nicht auf dem Stimmzettel steht. Es stellte sich heraus: viele wussten das nicht.

Zu den Äußerungen der Bühler CDU-Chefin möchte ich lieber nichts sagen. Denn wenn man nichts Gutes über jemanden sagen kann, sollte man lieber die Klappe halten. Nur so viel: In der Zeitung wurde ich etwas falsch zitiert. Ich sagte nicht, ich sei „froh aus dieser Partei draußen zu sein“, sondern dass ich froh bin, nicht mehr in einer Partei zu sein. Ein feiner Unterschied. Parteigeklüngel und -gehabe liegt mir einfach generell nicht. Da macht es keinen Unterschied bei welcher Partei. Aber als CDU vollmundig einen Gegenkandidaten ankündigen und dann nicht liefern… auch keine grandiose Leistung.

Applaus für Gero Hammes, den ich sehr schätze, und der im BT mehrfach feststellte, dass ich vor acht Jahren bei der OB-Wahl nicht gewonnen habe. Hm, mir ist nur nicht nicht ganz klar geworden, was das mit der aktuellen Wahl zu tun hat. Das wäre in etwa so, also würde ich bei Pit Hirn, der die Aktion als „unterirdisch und lächerlich“ bezeichnet hat, beiläufig erwähnen, dass er damals der einzige Stadtrat in Bühl war, der gegen die Rückkehr des BH-Kennzeichens gestimmt hat. Das wäre wirklich albern und völlig zusammenhanglos, oder nicht?

Nur zur allgemeinen Klarstellung: Johannes van Daalen hat mich weder beauftragt noch ermuntert, in den persönlichen Kommentaren seinen Namen ins Spiel zu bringen. Aber er hat mir im Nachgang bestätigt, dass er auch nie gesagt habe, der Eintrag wäre nicht in seinem Sinne gewesen, wie im Badischen Tagblatt kolportiert. Im Gegenteil hat er sich bei mir für das eigeninitiativ in ihn gesetzte Vertrauen bedankt – auch wenn er das niemals aktiv unterstützt hätte.

Was sollte der Post also? Wir waren traurig, dass es in einer Stadt wie Bühl nur einen einzigen Kandidaten für eine OB-Wahl gab und die Bürger damit keine echte Wahl hatten. Aber: Es ging niemals darum, eine Revolution anzuzetteln oder gar ernsthaft zu glauben, ein solcher einmaliger Post – zumal so kurz vor der Wahl – könne bewirken, dass tatsächlich jemand anderes als Hubert Schnurr als Wahlsieger hätte hervorgehen können. Es ging vielmehr darum, die Menschen wachzurütteln und auf ihre demokratischen Möglichkeiten hinzuweisen statt grundsätzlich resignierend hinzunehmen, dass es keinen offiziellen Gegenkandidaten gibt bzw. gab. Es gibt immer einen anderen Weg als aufzugeben. Immerhin das ist mir sicher gelungen bei der Aufmerksamkeit, welcher der Post selbst über die Wahl hinaus bekommen hat.

Dass Hubert Schnurr sich in einer heute für Bühl noch schwierigeren wirtschaftlichen Situation als vor acht Jahren „zur Wahl“ gestellt hat, verdient dennoch Respekt. Und ich wünsche ihm auch deswegen viel Erfolg und alles Gute für die kommende Amtszeit. Zum Wohle aller.

Bleibt abschließend nur noch zu erwähnen, dass 4.179 von 23.213 wahlberechtigten Menschen Hubert Schnurr gewählt haben. Das sind 18 Prozent. Ich sag’s nur.

Autor: Ralf Heinrich

...ist Vater von zwei Söhnen und lebt seit der Jahrtausendwende im badischen Bühl. Der studierte Informationswissenschaftler und Werbe- und Marketingfachmann tauchte bereits 2005 in die Welt der Sozialen Medien ein, als XING noch openBC hieß und Facebook noch nicht wichtig zu sein schien. Er "lebt und atmet" Social Media durch XING, Facebook, Twitter & Co. und bloggt selbstverständlich auch. Bis 2014 beriet er zehn Jahre lang Firmen und Menschen im Umgang mit Social Media, gab ihnen Starthilfe, und entwickelte mit seiner Agentur, dem Kreativbüro, Werbe-Ideen und -Konzepte für seine Kunden. Nachdem er dann für rund viereinhalb Jahre das globale Marketing für den Treasury-Spezialisten BELLIN in Ettenheim geleitet hat, führt er aktuell das Marketing-Team des Sicherheits-Systemhauses Securiton an.

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