Quo vadis, Menschheit? – Oder: Die Spaltung der Erde

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Vereinte NationenIch bin ja bekanntermaßen nicht so der Weltpolitiker. Aber ich bin nicht allein damit, sich bei den zahlreichen aktuellen Entwicklungen auf der Welt Sorgen zu machen. Echte Sorgen.

Wo man hinsieht, gespaltene Völker.

Mich wundert nichts mehr

Natürlich beginnt das große Erwachen mit dem Referendum der Briten zum Brexit. Ich denke, die meisten Menschen auf der Welt haben nicht geglaubt, dass die Briten tatsächlich ernst machen. Die üblichen Drohgebärden. „Die Briten halt. Wollen immer ihren Kopf gegen die EU durchsetzen.“ Die Briten haben es nicht mal selbst geglaubt. Bis nach dem Tag des Referendums – als sie plötzlich anfingen zu googeln, was ihre Abstimmung nun eigentlich bedeutet. Hinterher. Da war das Erwachen groß. #kopf #tisch

Tja, und dann gab es keinen Weg zurück mehr. Wie lächerlich hätte man sich gemacht, erneut abstimmen zu lassen. Und während Schotten und Iren nun darüber nachdenken, das Vereinigte Königreich zu verlassen, wurde der Brexit vom Parlament final beschlossen und das Austrittsschreiben inzwischen bei der EU eingereicht. Okay, dann geht doch, meinen die einen und freuen sich, dass endlich Schluss damit ist, den Briten Sonderbrötchen zu backen. Oh oh, das wird noch globale Folgen haben, meinen die anderen. Welche Gruppe auch immer am Ende recht haben wird, große Veränderungen stehen ins Haus. Und betrachtet man sich den Fortgang der Weltgeschichte, so muss man sich eingestehen, dass im Vergleich gesehen bei diesem Abenteuer die Wahrscheinlichkeit des unerwarteten Eintretens noch am höchsten war.

Anders bei den US-Präsidentschaftswahlen. Nicht mal die Trump-Anhänger selbst haben wirklich an einen Sieg geglaubt. Und bis am Abend der Wahl deutete auch alles darauf hin, dass nicht der orangegesichtige, einfach gestrickte Mann mit den kleinen Händen der nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden würde. Und doch ist er es geworden. Mit einer umstrittenen Mehrheit. Und wieder einmal wurde das amerikanische Wahlsystem kritisiert und diskutiert. Und wieder einmal ist die Diskussion am Ende im Sande verlaufen.

Und nun Erdogan

Ja, und nun haben also die Türken per Referendum beschlossen, dass ihr Präsident – in Person Erdogan – deutlich erweiterte Machtbefugnisse erhält, praktisch im Alleingang herrschen kann. (Und was soll als erstes auf die Agenda? Die Wiedereinführung der Todessstrafe! Doch das würde uns an dieser Stelle zu weit führen.) Einem einzelnen Mann solche Macht zu verleihen, war noch nie eine gute Idee. Das hat uns die Geschichte mehr als deutlich gelehrt. Gebracht hat es offenbar nichts. Und ich will gar nicht davon anfangen, wieviel Sinn oder Unsinn es macht, im Ausland lebende Türken mitwählen zu lassen, die am Ende im Zweifel ja nichts davon mittragen müssen. Und dennoch: Wieder war das Abstimmungsergebnis extrem knapp.

Gespaltene Gesellschaften

In allen drei genannten Fällen war die Abstimmung ungefähr halb-halb. Das bedeutet immer extremen Unmut auf der Verliererseite. Diese Verliererseite stellt aber eben immerhin die Hälfte der jeweiligen Bevölkerung. Da sind Streitigkeiten auf breiter Basis vorprogrammiert. Die Gefahr von Demonstrationen, offenen Unmut bis hin zu Straßenschlachten und Bürgerkrieg wächst. Vor allem abhängig davon, was die Führungsspitzen aus den Ergebnissen machen.

Trump war mit seinen innenpolitischen Ideen bislang nur mäßig erfolgreich. Nun hat er sich der Außenpolitik zugewendet und erstmal Syrien und Afghanistan bombardiert. Und aktuell rasselt er gemeinsam mit den Japanern vor Nordkorea mit dem Säbel und ist ganz offenbar auf einen Schwanzvergleich mit Diktator Kim Jong-un aus. Eine gute Idee bei zwei Nuklearmächten?

Die Welt am Scheideweg

Auch Putin ist u.a. wegen Afghanistan und Syrien vor den Kopf gestoßen. Und Trump, der sich eigentlich auf sein eigenes Land konzentrieren und die USA als Weltpolizei abschaffen wollte, tut genau das Gegenteil seines Wahlversprechens.

Die Entwicklungen auf der Welt sind wirklich besorgniserregend. Wir können alle nur hoffen, dass an der einen oder anderen Stelle wieder mehr Verstand eingesetzt wird, damit am Ende nicht ein dritter Weltkrieg steht, über dessen möglichen Ausgang man nicht mal spekulieren möchte.

Die sozialen Netzwerke polarisieren extrem, und der Kampf gegen Fake News scheint eine Sisyphosaufgabe. Die Menschen können Wahrheit und Fälschung nicht mehr auseinander halten. Auch die Medien tragen ihren teil dazu bei. Ich persönlich bin weit davon entfernt, auf die „Lügenpresse“ zu schimpfen; aber manchmal muss man eben dennoch aufpassen und nicht alles, was geschrieben steht, für bare Münze nehmen. Auch Bilder können je nach Einsatz völlig unterschiedliche Geschichten erzählen.

Daher sollte jederman mit weit geöffneten Augen durch die Welt gehen und nicht alles sofort glauben, was man sieht. Allzu oft kann der erste Eindruck täuschen und man selbst mit einer Einschätzung völlig daneben liegen. Es braucht Größe, solche Fehleinschätzungen zuzugeben und seine resultierenden Handlungen ggf. zu korrigieren. Und bevor man etwas ungeprüft in den sozialen Netzwerken teilt, erstmal das Hirn einschalten und den Beitrag hinterfragen; Quelle prüfen, auf Logik checken, verifizieren und im Kontext betrachten. Das würde schon viel helfen. Und vielleicht am Ende die eine oder andere Fehlentscheidung vermeiden.

Weltfrieden? Der ist wohl einmal mehr in weite Ferne gerückt. Aber hoffentlich können sich wenigstens die Völker untereinander wieder einen. Idealerweise ohne dabei wieder auf einen gemeinsamen Feind zurückgreifen zu müssen. Von Diktatoren, Alleinherrschern und Religionsfanatikern immer gern genommen. Und doch so grausam falsch.

Autor: Ralf Heinrich

...ist verheiratet, Vater von zwei Söhnen und lebt seit der Jahrtausendwende im badischen Bühl. Der studierte Informationswissenschaftler und Werbe- und Marketingfachmann tauchte bereits 2005 in die Welt der Sozialen Medien ein, als XING noch openBC hieß und Facebook noch nicht wichtig zu sein schien. Er "lebt und atmet" Social Media durch XING, Facebook, Twitter & Co. und bloggt selbstverständlich auch. Bis 2014 beriet er zehn Jahre lang Firmen und Menschen im Umgang mit Social Media, gab ihnen Starthilfe, und entwickelte mit seiner Agentur, dem Kreativbüro, Werbe-Ideen und -Konzepte für seine Kunden. Heute leitet er für BELLIN das globale Marketing in Ettenheim.

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