Mut und Machen – Die re:publica 2013

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Ralf Heinrich auf der re:publica 13

Letztes Jahr schrieb ich noch „Die re:publica hat in diesem Jahr (bis auf das WLAN) meine Erwartungen erfüllt…“ Nun, man mag es kaum glauben, aber auch dieses Manko wurde für das Jahr 2013 behoben, und es gab ein recht solides WLAN, das – wie man am Ende feststellte – eigentlich gar unterfordert war, weil kaum jemand sich so recht traute es über Gebühr zu belasten. Und das bei über 5.000 Teilnehmern und rund 6.800 im WLAN angemeldeten Geräten. Ich kann es also vorwegnehmen: Die re:publica 2013 war eine rundum gelungene Veranstaltung, bei der man selbst trotz des weiteren Wachstums noch immer vom arg überstrapazierten Begriff „Klassentreffen“ sprechen mag.

Kathrin Passig: "Nutzer wissen nicht, was sie wollen – können es aber erkennen"Natürlich war es wieder einmal Sascha Lobo, der – trotz diesmal leicht verunglücktem Vortrag – die Marschrichtung für das kommende Geschäftsjahr der Netzgemeinde ausgab.

Im vergangenen Jahr hatte er zu einer Renaissance der Blogs aufgerufen, und dies hallte oft genug in den diesjährigen Vorträgen wider. In diesem Jahr war die Kernforderung sinngemäß: „Sei mutig und mach was!“

Was, wusste Sascha auch nicht so genau. Aber das ist wohl wie im Vortrag von Kathrin Passig (FOTO), nach dem Motto: Ich weiß, was fehlt, wenn ich es sehe.

Dafür haben er und Stijlroyal uns aber das vermutlich mit sofortiger Wirkung gültige Internetlogo geschenkt, und das sieht so aus:

(#)

Zu den Highlights gehörte für mich wie immer der Vortrag von Felix Schwenzel, nach „Warum das Internet scheiße ist“ (2010) und „Soylent Green, äh, the internet is people“ (2012), dieses Jahr mit dem Titel „10 Vorschläge um die Welt zu verbessern“. Und er brachte eine zwar nicht neue, aber dennoch große Wahrheit mit:

Wenn ihr glaubt, Bildung sei teuer,
wartet ab, wie teuer Dummheit ist.

Felix Schwenzel und Sascha Lobo zusammen schenken uns übrigens ein neues WordPress-Plugin reclaim.fm (Alpha-Version!), das gleichsam für einen eigenen Social Media Newsroom auf eigenem Server sorgen soll. Damit unsere Inhalte auch morgen noch da sind, wenn Facebook und Twitter vielleicht schon dicht machen mussten. Das neue daran ist vor allem, die Inhalte auf eigene Server zurück zu führen. Und das ist immer eine gute Idee!

Björn Braune und Ralf Heinrich

Aber es gab noch viel mehr zu Lernen. So zum Beispiel, dass dies die meist gesuchten Begriffe von Kindern sind (in dieser Reihenfolge):

  1. Spiele
  2. Hund
  3. Sex
  4. Katze
  5. Ägypten
  6. Wal
  7. Strom
  8. Eichhörnchen
  9. Planeten
  10. Tiere im Winter

In Gesprächen außerhalb der Sessions lernte ich, dass Formulierungen wie „Ich frug“ und ähnliche Präterita, die ich bis dahin nur im Spaß nutzte, tatsächlich existieren und angeblich unter die Benamung „starkes Deutsch“ (bzw. „starke Verben“) fallen. Dass es ein YouTube Handbook gibt. Dass das fbcamp immer am ersten März-Wochenende stattfindet (demnach das nächste Mal also am 1. und 2. März 2014). Dass Final Draft offenbar die ultimative Software für Autoren ist („Auch wenn Sie keinen Computer besitzen, empfehle ich den Kauf von Final Draft.“ JJ Abrams). Dass Horst Zuse meint, die Geschichte des Computers bestehe nur aus der Erfindung seines Vaters und deren Fortentwicklungen (Z1-4). Dass ich beim Thema Social Media und Recht nie auslerne (und dass mir manches unbegreiflich bleiben wird). Dass für Kinder in unserer Gesellschaft zu wenig getan wird. Dass ein paar Designerinnen in ihrer eigenen Welt leben (und ihnen das nicht immer gut tut). Dass man Lovepicking kontrovers diskutieren kann. Dass #ironblogger nix mit Iron Sky zu tun hat, dafür schon eher mit Iron Man, weil es darum geht, beim Bloggen durchzuhalten und man sich daher verpflichtet, mindestens einmal pro Woche zu bloggen. (Ich spiele übrigens mit dem Gedanken, mich den Iron Bloggern anzuschließen.)

Und dass ich noch so einige Sessions bei YouTube nachholen muss.

Name Badge #rp13

Getroffen habe ich natürlich auch wieder eine Menge Leute. Besonders gefreut haben mich Erst-, Zweit- und Xt-treffen u.a. mit Stefanie Aßmann (@miss_assmann), Stefanie Bamberg (@LiebeundDetail), Björn Braune (@RockYouRock), Anja Gottschling (@3x3ist6), Enrico Gräfe (@marketing_guide), Volker König (@VolkerK_), Lilian Kura (@textzicke), Jochen Mai (@karrierebibel), Maren Martschenko (@zehnbar), Romy Mlinzk (@snoopsmaus), Kathrin Passig (@kathrinpassig), Steffi Probst (@lana74), Karsten Sauer (@sauerstoff), Silke Schippmann (@silke_s), Mirko Schröder (@margon), Sandra Schink (@_shamani), Mathias Stumpf (@powron), Karsten Wusthoff (@karstenslife) et al. (Bestimmt habe ich jetzt wieder jemanden vergessen!) – War schön, Euch kennen gelernt bzw. wieder gesehen zu haben! 🙂

Was soll ich sagen. Selbst Dieter Zetsche (mit Daimler ein Hauptsponsor) und Ai Weiwei waren auf der re:publica („…die größte und wichtigste Internetmesse Deutschlands“ ARD Morgenmagazin :D) präsent. Von der umfassenden Presseberichterstattung ganz zu schweigen. Ich glaube, spätestens jetzt kann man sagen, die re:publica ist auch in der Welt außerhalb der Filter Bubble angekommen. Und das ist gut so. Und wie immer kann mein Nachbericht das Geschehene nur anreißen, aber das macht nichts. Nichts kann eine eigene Teilnahme auch nur ansatzweise ersetzen.

Die nächste re:publica (#rp14) findet übrigens in der Woche vom 5. bis 9. Mai 2014 statt.
Ich freu mich drauf. Und auf Euch.

PS: Eines habe ich dann doch noch vermisst. Die „Affenfelsen“ vom vergangenen Jahr. Die flachen 2013er Versionen wussten mich nicht zu überzeugen. Und am Ende musste ich feststellen: Ohne sie bewusst zu meiden, saß ich nicht ein einziges Mal auf den Sitzgelegenheiten im zentralen Hofbereich zwischen den Stages. Vielleicht lag es aber auch nur am tollen Wetter, das nicht nur mich nach draußen zog. Und daran, dass ich diesmal meine eigenen Strom mit mir herumtrug. Aber – trotzdem…! 😉

PPS: Falls jemand das Pathos vermisst… das ist Absicht. ^^

Fotos: Ralf Heinrich und Mirko Schröder

Autor: Ralf Heinrich

...ist verheiratet, Vater von zwei Söhnen und lebt seit der Jahrtausendwende im badischen Bühl. Der studierte Informationswissenschaftler und Werbe- und Marketingfachmann tauchte bereits 2005 in die Welt der Sozialen Medien ein, als XING noch openBC hieß und Facebook noch nicht wichtig zu sein schien. Er "lebt und atmet" Social Media durch XING, Facebook, Twitter & Co. und bloggt selbstverständlich auch. Bis 2014 beriet er zehn Jahre lang Firmen und Menschen im Umgang mit Social Media, gab ihnen Starthilfe, und entwickelte mit seiner Agentur, dem Kreativbüro, Werbe-Ideen und -Konzepte für seine Kunden. Nachdem er dann für rund viereinhalb Jahre das globale Marketing für den Treasury-Spezialisten BELLIN in Ettenheim geleitet hat, führt er aktuell das Marketing-Team des Sicherheits-Systemhauses Securiton an.

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