Übelste Provinzpolitposse in Achern

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Stadtwappen AchernGastbeitrag von Brigitte Berscheid, Achern

Was derzeit in Bezug auf die Schülerhortbetreuung in Oberachern von der Stadt Achern geboten wird, ist eine Provinzpolitposse der übelsten Art. Hätte der Herr OB nicht in einem Nebensatz erwähnt, dass die Hortbetreuung ein Auslaufmodell sei, keiner wüsste überhaupt bis heute, dass die Schülerhortbetreuung in Oberachern auf der Kippe steht: Weder Träger noch Eltern wurden bisher darauf hingewiesen, dass es keinen Schülerhort in Oberachern mehr geben soll. Dass berufstätige Eltern etwas Vorlaufzeit zur Organisation benötigen, scheint den Stadtoberen völlig entgangen zu sein.

Welche Gedächtnislücken und wieder aufkeimende Erinnerungen ein OB hat, ist erstaunlich. Am Freitag konnte sich unser OB zwar noch an den einstimmigen Beschluss zum Kindergartenbedarfsplan erinnern, nicht jedoch daran, was genau dort festgehalten wurde. Kein Gemeinderat aus Oberachern konnte sich daran erinnern, dass über den Hort abgestimmt wurde. Dass die Stadt Abschaffungen in der Form beschließen lässt, dass die abzuschaffende Einrichtung im neuen Bedarfsplan einfach nicht mehr erwähnt wird, scheint den Gemeinderäten bisher nicht bewusst gewesen zu sein. Können wir nicht von unseren gewählten Vertretern erwarten, dass sie eine Beschlussvorlage richtig lesen können?

Eigentlich genug Stoff für eine lustiges Provinztheaterstück – wären hier nicht die Kinder die Leid tragenden. Sie werden ihr soziales Umfeld verlieren, werden nicht mit ihren Freunden eingeschult werden, werden keinen sicheren Schulweg haben und nicht die Möglichkeit in ihrer vertrauten Umgebung ihre Schulzeit zu verbringen. Es geht nicht darum, dass die Kinder von ihren Rabenmüttern abgeschoben werden, damit diese sich in ihren Berufen verwirklichen können. Es geht hier darum, dass eine steigende Zahl Eltern ihre Berufstätigkeit nicht aufgeben kann und will, wenn Kinder kommen. Gäbe ich z.B. meine Berufstätigkeit auf, würden drei weitere Frauen ihren Arbeitsplatz verlieren.

Die Abschaffung der Schülerhortbetreuung mit dem Bedarf an Kindergartenplätzen für unter Dreijährige zu begründen, ist unlogisch, denn es macht keinen Sinn, in den Beruf wieder einzusteigen, wenn das Kind zwei Jahre alt ist und zu kündigen, wenn das Kind in die Schule kommt, weil es dann keine Betreuung mehr gibt.

Außerdem würde es mich interessieren, wie die Stadt sich schön rechnet, dass sie durch eine Einschulung der Hortkinder aus Oberachern in Achern viel Geld spart: Die Ganztagesgrundschule in Achern muss auch finanziert werden und da der Hort in Oberachern einen kirchlichen Träger hat, die Grundschule in Achern aber nicht, beteiligt sich hier auch kein Dritter neben der Stadt und den Eltern an den Kosten. Oder erhofft sich die Stadt längerfristig Einsparungen, weil durch weniger Grundschüler in Oberachern auch die Zahl der dort in die Hauptschule übernommenen Schüler sinken wird? Werden dann die Hauptschulklassen in Oberachern bald so klein sein, dass man die Hauptschule Oberachern schließen kann?

Wie sollen unsere Kinder sicher nach Achern in die Schule gelangen? Es gibt keinen Bus, mit dem Erstklässler nach Achern fahren können. Also wird sich morgens eine Karawane gen Achern bewegen. Die Anwohner werden erfreut sein, die Schulbusse  noch mehr Verspätung haben, der Schulweg für die Acherner Kinder noch gefährlicher werden.

Aber, vielleicht hat der Herr Oberbürgermeister sich hierzu ja bereits Gedanken gemacht, kann sich nur derzeit nicht daran erinnern und wird noch rechtzeitig vor dem Schuljahresbeginn 2010/11 ein tolles Konzept vorlegen? Wir sind gespannt!


Update: Es gibt jetzt auch eine Website zum Thema, auf der aktuell informiert wird: www.lasstdiekinderimdorf.de

Autor: Ralf Heinrich

...ist verheiratet, Vater von zwei Söhnen und lebt seit der Jahrtausendwende im badischen Bühl. Der studierte Informationswissenschaftler und Werbe- und Marketingfachmann tauchte bereits 2005 in die Welt der Sozialen Medien ein, als XING noch openBC hieß und Facebook noch nicht wichtig zu sein schien. Er "lebt und atmet" Social Media durch XING, Facebook, Twitter & Co. und bloggt selbstverständlich auch. Bis 2014 beriet er zehn Jahre lang Firmen und Menschen im Umgang mit Social Media, gab ihnen Starthilfe, und entwickelte mit seiner Agentur, dem Kreativbüro, Werbe-Ideen und -Konzepte für seine Kunden. Nachdem er dann für rund viereinhalb Jahre das globale Marketing für den Treasury-Spezialisten BELLIN in Ettenheim geleitet hat, führt er aktuell das Marketing-Team des Sicherheits-Systemhauses Securiton an.

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