Qype: Nur irgendein Bewertungsportal oder ein Muss?

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Ein Kunde hat mich darauf angesprochen (und das war noch kurz vor Einführung der „Referenzen“ bei XING):

„Wir sind jetzt auf Qype und wollen das nutzen. Die sind Marktführer, daher haben wir uns für die entschieden.“

Soweit das sinngemäße Zitat. Spontan habe ich ob des Sinns erstmal Zweifel angemeldet. Wer ist da überhaupt unterwegs? Und sind das ggf. potentielle Kunden für meinen Kunden? Was ist, wenn es schlechte Bewertungen gibt (sei es aus Spaß, Langeweile oder dummerweise der Wahrheit halber)? Wer sieht sich das an? Verteilen sich potentielle Bewerter nicht auf zuviele verschiedene Bewertungsportale?

Ich habe mich dann erstmal selbst bei Qype angemeldet, um mir ein Bild zu machen. Schnell hatte ich den Eindruck, wie er für viele Netzwerkplattformen gilt: Nett, Profil reingehauen, mal rumgeschaut, wer sonst noch so da ist, und fertig. Eigentlich nichts, wo ich jemals wieder vorbeischauen würde. Außer jetzt, weil es einen Kunden interessiert.

Was Social Media angeht, bin ich persönlich ja inzwischen eindeutig der Meinung, weniger ist mehr! Und so habe ich mich selbst ja auch auf XING, Facebook und Twitter begrenzt (siehe auch meinen ersten Blogeintrag hier). Das ist meiner Ansicht nach in den allermeisten Fällen die richtige (Aus)wahl. Allein Referenz- und Bewertungsportale gibt es unüberschaubar viele. Und wenn ich mich als derjenige schon schwer tue, der bewertet werden möchte, wie soll ich mich dann entscheiden, wenn ich auf der anderen Seite bin und mich informieren möchte? Klare Antwort: Google! Ich tippsele den Namen des Unternehmens oder der Person ein und schaue, was ich bekomme. Zugegeben: Da kommen Qype-Einträge ziemlich weit vorne; manchmal sogar noch vor XING (die in der Regel schon ziemlich gut platziert sind). Dennoch. Ich weiß nicht, ich weiß nicht …

Funktioniert Werbung auf dieser eher abgehobenen Ebene? Es dürfte außer Frage stehen, dass eine solche Bewertung nicht annähernd an eine persönliche Empfehlung heranreicht. Das gilt natürlich insbesondere für den Dienstleistungsbereich. Meiner Meinung nach sollte man daher eher am Netzwerken arbeiten, damit die Mitglieder des eigenen Netzwerks einen im richtigen Moment an ihr Netzwerk empfehlen. Und, um Kontakte zweiten Grades (Kontakte meiner Kontakte) mit Referenz auf den verbindenden Kontakt angesprochen werden können. Aber da ich für meinen Kunden ohnehin am Ball bleiben muss, werde ich zwangsläufig weitere Erfahrungen machen und dann per Updates an dieser Stelle darüber berichten.

Jetzt aber interessiert mich erst einmal brennend die Meinung meiner werten Leser! Wie ist die Einschätzung des Stellenwerts von Qype (& Co)? Ich bin gespannt…

Autor: Ralf Heinrich

...ist verheiratet, Vater von zwei Söhnen und lebt seit der Jahrtausendwende im badischen Bühl. Der studierte Informationswissenschaftler und Werbe- und Marketingfachmann tauchte bereits 2005 in die Welt der Sozialen Medien ein, als XING noch openBC hieß und Facebook noch nicht wichtig zu sein schien. Er "lebt und atmet" Social Media durch XING, Facebook, Twitter & Co. und bloggt selbstverständlich auch. Bis 2014 beriet er zehn Jahre lang Firmen und Menschen im Umgang mit Social Media, gab ihnen Starthilfe, und entwickelte mit seiner Agentur, dem Kreativbüro, Werbe-Ideen und -Konzepte für seine Kunden. Heute leitet er für BELLIN das globale Marketing in Ettenheim.

8 Kommentare

  1. Hallo Herr Heinrich,

    als Ihr angesprochener Kunde will ich natürlich auch meinen Kommentar dazu abgeben.

    Eines vorweg, ob Sinn oder Unsinn habe ich für mich selbst auch noch nicht entschieden. Nach einigen Monaten bei qype kann ich dazu wahrscheinlich mehr sagen, als gerade nach 2 Wochen. Sicherlich muss man twitter, xing, facebook und qype in einer Gesamtheit betrachten und sich nicht nur auf eine Plattform konzentrieren und anderseits darf und muss man nicht auf jeden Zug aufspringen.

    Die Entscheidung pro qype, ist in erster Linie auch aus der Idee entstanden, Kunden von mir weiter zu helfen. So liegen mittlerweile qype-Kärtchen auch bei einem Friseur, Restaurant und einem Bistro aus. Die Kunden waren von der Idee begeistert (damit habe ich immerhin schon ein Teilziel erreichen können „Begeisterung“) und sind ähnlich wie ich, gespannt wie es denn ankommen wird.

    Sicher ist es in Großstädten schon ein ganz anderes Thema. Suchen Sie sich Heute in Hamburg einen Friseur oder auch einen Handwerker … dann würde ich qypen und mir die Bewertungen durchlesen und sicherlich würde meine Entscheidung davon beeinflusst werden, ob derjenige 50 positive Bewertungen hat, oder gar keine … ob und wie es sich bei uns auf dem Lande etablieren kann, bleibt abzuwarten.

    Doch kann das Spiel auch umgedreht werden und man kann mit qype im Marketing nach aussen auftreten. Wie z.B. „Wir stellen uns Ihrer Kritik“ … oder „50 positive Bewertungen lügen nicht“ usw.

    Natürlich besteht die Gefahr negativer Kritik (berechtigt oder unberechtigt), jedoch kommt es auch darauf an, wie mit dieser negativen Kritik umgegangen wird … gelingt es, diese negative Kritik für sich zu nutzen, kann dadurch ein noch positiverer Effekt entstehen, als durch positive Bewertungen.

    Im Gegensatz zu xing, stellt qype ein Bewertungsportal für Verbraucher (unter anderem Businesskunden) dar und erreicht damit eine wesentlich höhere Zielgruppe als xing. Jeder Internetuser kann qype einsehen und die Bewertungen lesen und vorallem werden diese von google maps ausgelesen … mit dem positiven Effekt auf das google map Ranking.

    letztendlich, um meinen Kommentar abzuschliessen, kann es nur die Erfahrung zeigen, ob es Sinn oder Unsinn ist.

    Viele Grüße
    Johannes

  2. Stimme Ihnen in allen Punkten zu. (Vor allem „Wir stellen uns Ihrer Kritik“! ;-)) Und eben gerade die Erfahrungen sind es, die ich hier von anderen gerne lesen würde, die Qype oder ähnliche Portale vielleicht schon etwas länger nutzen.
    Schauen wir mal gemeinsam, was da (vielleicht bzw. hoffentlich) kommt.

  3. Naja, Qype konnte mich nie wirklich begeistern. In dem Bereich habe ich lieber stark regional fokusierte Plattformen wie z.B. einige der Communitys von StayBlue. StayBlue.de an sich nutze ich als SN gar nicht, lediglich der Locationguide ist wirklich praktisch.
    Und das ich neulich noch zufällig entdeckt habe, wie Qype-User Beiträge zu einem Lokal bei StayBlue kopieren und auf Qype einfügen, spricht ja irgendwie auch für sich… :X

  4. Ich denke, gerade wenn man viele lokale und regionale Kunden hat, schadet ein Profil bei Qype auf jeden Fall nicht. Kostet ja auch nix. Wenn man dann noch andere Plattformen zur Multiplikation nutzt, hat man bei Google schon Mal mehrere Steine im Brett. Qype ist für mich einfach ein Mosaiksteinchen in der ganzen Außendarstellung über klassische und soziale Medien.

  5. Hallo Herr Heinrich,

    Als Bewertungsportal für lokale Dienstleister können wir die Relevanz von zusätzlichen Präsenzen im Web für Geschäftsinhaber, Filialbetreiber oder Franchisenehmer nur bekräftigen.

    Dies macht jedoch nicht nur Sinn, um so möglichst viele Google Positionen in den Suchergebnissen zu besetzen! Gerade im Rahmen der Orientierungsphase eines potenziellen Neukunden kann ein Link von der Homepage direkt zu dem Detaileintrag auf diversen Bewertungsplattformen sehr viel zur Transparenz beitragen, da hierdurch eine große Offenheit signalisiert wird, die in der Folge rasch zu einer positiven (Online-)Reputation eines Dienstleisters oder Geschäftsinhabers beitragen kann.

    Darüber hinaus war es nie so einfach wie heute an kostenloses Kundenfeedback zu gelangen. Früher hätte man hierfür einen externen Dienstleister mit einer Umfrage beauftragt oder man wäre einfach weiter im Dunkeln getappt…

    Eines noch: Seit „eh und jeh“ werden im lokalen Umfeld neue Kunden vor allem über die persönliche Empfehlung gewonnen. Um diese Aussage zu verifizieren organisiert der eco Verband zusammen mit uns jährlich folgende Studie: http://www.kennstdueinen.de/pdf/kennstdueinen_dienstleister_report_2009.pdf

    Angesichts der Tatsache, dass sich die Branchensuche schon bald vollständig ins Internet verlagert haben wird, sollten Dienstleister und Geschäftsinhaber demnach aktiv Empfehlungsmarketing betreiben und sich dabei einiger relevanter Bewertungs- und Empfehlungsplattformen bedienen.

    Welche dabei Sinn machen, muss der Dienstleister selbst entscheiden, da alle Bewertungsportale mit unterschiedlichen Features und Funktionen zu überzeugen wissen.

    Wichtig ist aber, wie oben im Blogbeitrag angedeutet, dass das Portal für den Namen des Unternehmens oder Betriebs gut bei Google positioniert ist. Wenn dann auch noch gute Positionen für die Keywordkombination „Branche + Stadt“ vorliegen, dann sollte die Wahl des Dienstleisters auf jeden Fall dieses Bewertungsportal miteinbeziehen, denn an Google kommt in Deutschland bei über 90% Marktanteil keiner mehr vorbei!

    Gruß,
    Sebastian

    P.S. Weitere Infos rund um Empfehlungsmarketing, Bewertungsportale und Neukundengewinnung im Web2.0 findet man außerdem bei uns im Blog…

  6. Das Hauptproblem ist die Validität der Bewertungen. Bei fast allen Bewertungsportalen kann auch mein Hund bewerten… Validität erreicht man nur durch Prüfung. Z. B. indem man sich die Buchungsbestätigung oder Rechnung vom Hotel oder Restaurant vorlegen lässt. Ist aufwändig, aber der einzig sichere Weg. Das B2B-Bewertungsportal Benchpark.com (http://www.benchpark.com) macht es vor und akzeptiert u. a. nur Mailadressen, aus denen das bewertende Unternehmen erkennbar ist – und fragt im Zweifelsfalle nach. Kommt keine befriedigende Antwort zu Anlass und Hintergrund der Bewertung, wird die Bewertung abgelehnt. Die Ablehnungsquoten werden regelmäßig veröffentlicht.

  7. Ich glaube, eine gewisse „Validität“ wird auch durch eine Vielzahl von Bewertungen erreicht. „Die Masse macht’s.“ Es ist das „Wikipedia-Prinzip“: Quatsch wird auf lange Sicht durch Qualität verdrängt.

  8. Pingback: Qype: Nur irgendein Bewertungsportal oder ein Muss? – Business 2.0 Blog

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